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   Energieverträge

1. Integrierte Lieferverträge

2. Separate Verträge (Netzanschluss, Netznutzung, Lieferung)

3. Preisbestandteile von Lieferverträgen
 


1. Integrierte Lieferverträge

Bei den sogenannten integrierten Verträgen sind alle für die Energielieferung notwendigen Teilverträge (das ist einerseits der Netzanschluss- und Netznutzungsvertrag und andererseits der Energieliefervertrag) in einen gemeinsamen Vertrag integriert.

1.1 OHNE Leistungsmessung

Kunden ohne Leistungsmessung wird in der Regel ein All-inclusive-Preismodell angeboten, in dem alle Preisbestandteile für Energielieferung, Netznutzung sowie Abgaben in einem Preis enthalten sind. Der Preisbestandteil "Energielieferung" wird dabei immer für einen gewissen Zeitraum    (z.B. 24-Monats-Verträge mit nur 6 Monaten Preisgarantie!) oder über die gesamte Vertragslaufzeit (so sollte es sein!) garantiert. Wenn sich während der Vertragslaufzeit ein anderer Preisbestandteil ändert (wie z.B. das Netznutzungsentgelt), wird diese Änderung i.d.R. 1:1 an den Kunden weiterverrechnet. Je geringer der Verbrauch ist, desto höher ist aber die Wahrscheinlichkeit, dass alle Preisbestandteile über die Vertragslaufzeit garantiert werden.

Will der Kunde die Preise für die Netznutzung separat erfahren, so findet er diese beim zuständigen Netzbetreiber im Internet. Es gibt feststehende Preislisten für jeden Netzbetreiber, die öffentlich zugänglich und für alle Kunden in seinem Netzgebiet anzuwenden sind (Ausnahmen nur bei sehr wenigen definierten Kunden, die besonders groß sind). Da Netzbetreiber stets Monopolisten sind (weil es wirtschaftlich und ökologisch unsinnig wäre an einer Stelle mehrere Netze zu bauen und zu betreiben) werden die Netznutzungspreise von der Bundesnetzagentur genehmigt und überwacht. Sie sind daher auch nicht verhandelbar.

Dem Energielieferanten ist es vorgeschrieben, in seinen Rechnungen den Anteil des Entgeltes separat auszuweisen, der auf die Netznutzung entfällt (damit kann der Kunde besser vergleichen, welche Kosten für die reine Energie zu bezahlen sind). Beachten Sie den Unterschied: Es sind in der Rechnung nicht die Preise (die finden Sie bei Ihrem Netzbetreiber im Internet), sondern die Entgeltanteile auszuweisen, der auf die Netznutzung entfallt (... also der Teil des Rechnungbetrages, der durch die Netznutzung verursacht wird).


1.2  MIT Leistungsmessung

Bei Abnahmestellen (korrekt: Zählpunkten) mit Leistungsmessung wird fast immer nur der Energielieferpreis (Arbeitspreis in ct/kWh; selten: plus Grundpreis in EUR/Monat; noch seltener: plus Leistungspreis in EUR/kW) vom Energieversorger angeboten und garantiert und alle anderen Preisbestandteile werden 1:1 vom Netzbetreiber und den aktuellen gesetzlich festgelegten und veröffentlichten Sätzen übernommen. Der Kunde erhält zwar ein Angebot, in dem i.d.R. auch diese "fremden" Preisbestandteile ausgewiesen sind (damit er die Gesamtkosten abschätzen kann), aber der Energieversorger garantiert nur den reinen Energielieferpreis.

Es handelt sich immer noch um einen "integrierten Vertrag", d.h. auch die Abwicklung der Netznutzung und die Abrechnung der Netznutzungsentgelte erfolgt über den Energielieferanten. Diese "fremden" Preisbestandteile werden jedoch in Rechnungen immer separat ausgewiesen und jede Erhöhung/Verringerung wird 1:1 an den Kunden weiter gegeben.


2. Separate Verträge (Netzanschluss, Netznutzung, Lieferung)

(Meist wird der Netzanschluss- mit dem Netznutzungsvertrag zusammen gefasst.)

2.1 Netzanschlussvertrag / Anschlussnutzungsvertrag

Im Netzanschlussvertrag werden die wichtigsten technischen Daten der Übergabestelle festgelegt:

- wo genau befindet sich die Entnahmestelle
- aus welcher Netzebene erfolgt die Energieentnahme durch den Kunden
- an welcher Stelle der Anlage endet das Eigentum des Netzbetreibers
- in welcher Netzebene wird die Energieentnahme  gemessen
- wie hoch ist die maximale Anschlussleistung
- welche Parameter liegen in etwa an der Übergabestelle an (Spannung/Frequenz, Druck/Brennwert)

Für den Netzanschlussvertrag ist nur dann etwas zu bezahlen, wenn der Netzanschluss zum ersten Mal neu eingerichtet wird oder wenn er auf Kundenwunsch erweitert/verändert werden muss. Dann werden in der Regel Anschlusskosten (für die physische Einrichtung des Anschlusses) und Baukosten (für die Mehraufwendungen in den vorgelagerten Netzanlagen) in Rechnung gestellt.

Über das vom Netzbetreiber kalkulierte Entgelt erhält der Kunde ein Angebot und kann dies auch vor Baubeginn verhandeln (... zumindest theoretisch) bzw. Teile der Netzanschlussaufwendungen selbst übernehmen oder in Auftrag geben.

Während der “Netzanschlussvertrag” immer mit dem Eigentümer eines Objektes (bzw. einer Übernahmestelle) abgeschlossen wird, wird mit dem Mieter (also dem Nutzer) des Anschlusses als Pendant dazu ein “Anschlussnutzungsvertrag” geschlossen. Inhaltlich sind beide Verträge identisch - bis auf den Umstand, dass im Anschlussnutzungsvertrag keine Aussagen über Anschlusskosten oder Baukostenzuschuss getroffen werden (beides wurde oder wird ja vom Eigentümer des Anschlusses bezahlt).

2.2  Netznutzungsvertrag

Der Netznutzungsvertrag wiederholt die Grunddaten des Netzanschluss- bzw. Anschlussnutzungsvertrages, ordnet darüber hinaus der Anschlussstelle eine Zählpunktbezeichnung zu (zur eindeutigen Identifikation) und legt fest, ob die maximal in Anspruch genommene Leistung für die Entgeltberechnung beim

- STROM aufgrund eines sog. Lastprofiles zugeordnet oder per Leistungsmessung gemessen wird bzw. beim
- ERDGAS von Verwendungszweck und Leistung der Gasgeräte bestimmt oder per Leistungsmessung gemessen
  wird.

Weiterhin werden im Netznutzungsvertrag Festlegungen über die Modalitäten der Netznutzung, die Ablesung der Zähleinrichtung, die Übertragung der abgelesenen Daten sowie über die Haftung des Netzbetreibers, die Ersatzlieferung von Energie und den Umgang mit Mehr- bzw. Mindermengen getroffen (wenn der Kunde z.B. mehr Energie verbraucht, als der Energielieferant für den Kunden ins Netz eingespeist hat). Schließlich werden auch die Preise für die Netznutzung festgelegt. Die Netznutzungspreise bestehen aus den Komponenten Arbeitspreis (für die bezogenen kWh), Leistungspreis bzw. Grundpreis (für die max. beanspruchte elt. Leistung bzw. Gasmenge), dem Mess- und Abrechnungspreis (für die Ablesung und Abrechnung der Zähleinrichtung) und bei STROM dem Preis für Blindmehrarbeit (für die Blindarbeit, die einen bestimmten Anteil der Gesamtarbeit überschreitet). Hinzu kommt ein gesetzlicher Zuschlag für das Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz (KWKG) und die Konzessionsabgabe.

Darüber hinaus gibt es Sonderpreise für optional in Anspruch genommene Sonderleistungen.

2.3  Energieliefervertrag

Im Energieliefervertrag wird die  eigentliche Lieferung der Energie vereinbart. Er enthält neben den Grunddaten der Übergabestelle die Preise für die Energie (Arbeitspreis, evtl. Leistungspreis bzw. Grundpreis) sowie Aussagen über: die maximal bereit zu stellende Leistung, die Tarifzeiten (HT/NT), das Verfahren/die Preise  bei Leistungsüberschreitungen und die Energiesteuern.


3. Preisbestandteile von Lieferverträgen

Es ist schwer, alle Modelle von Energielieferverträgen in Kürze zu beschreiben, deshalb beschränken wir uns hier auf die wichtigsten Preisbestandteile von Energielieferverträgen für RLM-Kunden (Kunden mit Registrierender Leistungs-Messung).


3.1 Leistungspreis (wird für die Netznutzung in Rechnung gestellt; gelegentlich auch für die Energielieferung)

Der Leistungspreis wird für die höchste während einer Zeitperiode in Anspruch genommene Leistung berechnet. Diese Leistung wird beim STROM i.d.R. fortlaufend als 15-min-Durchschnittswert erfasst und beim ERDGAS pro Stunde bzw. pro Tag. Die höchste Leistung, die während der vertraglich vereinbarten Abrechnungsperiode (Monat oder Jahr) bezogen wurde, wird dann mit dem Leistungspreis multipliziert und in Rechnung gestellt.

Es gibt Monatsleistungspreise (höchste Spitze jedes Monats wird berechnet) und Jahresleistungspreise (höchste Spitze des Jahres bzw. das Mittel aus den zwei höchsten Monatsspitzen eines Jahres wird berechnet).

In Abhängigkeit des konkreten Vertragsmodelles variiert der Einfluss der Höchstleistung.

So gibt es beim STROM beispielsweise Verträge, bei denen nur die während einer bestimmten Zeit gemessene Höchstleistung abrechnungsrelevant ist (z.B. die Zeit zwischen 06.00 bis 08.00 Uhr sowie 14.00 bis 18.00 Uhr wochentags). Es gibt auch Preisregelungen, die ab einer bestimmten Benutzungsdauer (Jahresarbeit : Höchstleistung = Benutzungsdauer) Rabatte gewähren.

Ebenso existieren sowohl bei STROM als auch bei ERDGAS Verträge, bei denen aus mehreren Spitzen pro Jahr das Mittel als Gesamtspitze in Rechnung gestellt wird. Im Hinblick auf die vollzogene Trennung zwischen Netzbetreiber und Energielieferant sind dies aber Auslaufmodelle.

Der Leistungspreis wird beim Strom in EUR/kW angegeben und beim ERDGAS in EUR/kWh (jeweils pro Monat bzw. pro Jahr).

Eine Besonderheit bei ERDGAS ist, dass die Leistung in m3/h gemessen und dann mit dem jeweils aktuellen Brennwert des Erdgases (angegeben in kWh/m3) multipliziert werden muss, um die Leistung (die auf der Rechnung anstelle von kW in kWh pro Stunde oder pro Tag angegegen wird) zu errechnen.


3.2 Arbeitspreis (wird sowohl für die Energielieferung als auch für die Netznutzung in Rechnung gestellt)

Der Arbeitspreis ist der Preis pro verbrauchte kWh. Er wird sowohl bei STROM als auch bei ERDGAS in EUR/kWh (oder auch Ct/kWh) angegeben.

Eine Besonderheit bei ERDGAS ist, dass die verbrauchte Menge in m3 gemessen und dann mit dem jeweils aktuellen Brennwert des Erdgases (angegeben in kWh/m3) multipliziert werden muss, um den Verbrauch in kWh zu errechnen.


3.3 Blindmehrarbeitspreis (nur STROM - wird nur für die Netznutzung in Rechnung gestellt)

Die Blindarbeit hat ihre Ursache in einer Phasenverschiebung zwischen Strom und Spannung. Sie hat keine nutzbare "Wirkung" in technischen Anlagen, sondern pendelt zwischen der Kundenanlage und der Versorgungsanlage hin und her (z. B. beim Auf- und dadurch Kapazität für die Übertragung von Wirkleistung. Die Blindarbeit ist das Integral der Blindleistung.

In der Regel wird nur der Teil der beanspruchten Blindarbeit mit dem Blindmehrarbeitspreis berechnet, der 50 % der Wirkarbeit während der HT-Zeit überschreitet. Der Blindarbeitpreis wird in EUR/kVarh (Kilovolt-Arbeitsstunde) angegeben.


3.4 Mess- und Verrechnungspreis (wird nur für die Netznutzung in Rechnung gestellt)

Der Mess- und Verrechnungspreis wird für die Ermittlung und Abrechnung der Zählerdaten in Rechnung gestellt und wird in EUR/Jahr angegeben.


3.5 KWKG-Zuschlag (wird für die Netznutzung STROM in Rechnung gestellt)

Wird auf Grundlage des Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetzes (KWKG) auf den Arbeitspreis aufgeschlagen (Einheit: ct/kWh).


3.6 EEG-Zuschlag (wird für die Energielieferung STROM in Rechnung gestellt)

Wird auf Grundlage des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) auf den Arbeitspreis aufgeschlagen (Einheit: ct/kWh).


3.7 Konzessionsabgabe (wird nur für die Netznutzung in Rechnung gestellt)

Wird auf Grundlage des Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetzes (KWKG) auf den Arbeitspreis aufgeschlagen (Einheit: ct/kWh).


3.8 Ökosteuer (wird nur für die Energielieferung in Rechnung gestellt - auch für Ausgleichmengen des Netzbetreibers)

STROM:     Es wird eine Stromsteuer auf Basis des Stromsteuergesetzes (StromStG) auf den Arbeitspreis
                  aufgeschlagen (ct/kWh) .
ERDGAS:   Es wird eine Erdgassteuer auf Basis des Energiesteuergesetzes (EnStG) auf den Arbeitspreis
                  aufgeschlagen (ct/kWh).
 

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